Die Biofabrik White Refinery: Wie aus Plastikabfall Energie wird

Jedes Jahr produziert die Menschheit über 100 Millionen Tonnen Plastik. Nur der kleinste Teil davon kann nach der Nutzung recycled werden – der restliche Plastikmüll sammelt auf unzähligen Deponien und in unseren Meeren. Inzwischen ist der größte der fünf Müllstrudel fast doppelt so groß wie Europa und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Vor nunmehr 3 Jahren begaben wir uns deshalb auf den Weg, eine Technologie zu entwickeln, mit der Plastikmüll plötzlich zum begehrten Rohstoff wird: Die Biofabrik White Refinery.

Energie aus Plastikmüll für eine saubere Zukunft

Die Idee für die Biofabrik White Refinery wurde während einer unserer Reisen geboren – mit der Frage, warum ein Stoff, so viel Energie enthält wie herkömmliche Kraftstoffe, weltweit in rießigen Mengen vorhanden ist und eines der größten Umweltprobleme der Menschheit darstellt, nicht besser aufbereitet und wiederverwertet wird.

Wir sahen Fischer im Orinoko-Becken, die ihren Abfall in eines der letzten Naturreservate der südamerikanischen Welt leiteten und Familien in Indien und Kambodscha, die ihren Plastikabfall einfach im Hinterhof verbrannten – mit unabsehbaren Folgen für ihre Gesundheit und die Umwelt.

Doch man kann diesen Menschen keinen Vorwurf machen: eine Billion Plastiktüten weltweit müssen irgendwo hin. Mangelnde Entsorgungsmöglichkeiten und ungenügende Aufklärung tragen ihren Teil bei. Und so landeten allein im Jahr 2015 sechs Millionen zusätzliche Tonnen Plastikabfall in unseren Weltmeeren.

Energie für 50 Millionen Haushalte

Dabei enthält ein einziges Kilogramm Plastik so viel Energie, dass man ein Smartphone rund drei Jahre lang täglich aufladen könnte. Allein mit dem täglich neu entstehenden Plastikmüll könnte man rund 380 Millionen Kilowattstunden Strom und noch einmal so viel an Wärme zu erzeugen.

Diese Zahl entspricht dem Energiebedarf von zirka 50 Millionen Haushalten – bei gleichzeitiger Entsorgung eines großen Teils des weltweiten Müllaufkommens. Bezieht man die bestehenden Deponien und Müllstrudel ein, könnte man den Energiebedarf der Menschheit für mehrere Jahre decken, ohne einen Tropfen Erdöl zu fördern.

Doch nicht, dass wir uns falsch verstehen: Recycling sollte immer Vorrang vor einer energetischen Nutzung haben. Auch wir sortieren noch verwendbares Plastik aus und retournieren es in den Recyclingkreislauf – aber selbst im Vorreiterland Deutschland werden lediglich rund 8% des Plastikabfalles wiederverwendet. Höchste Zeit also, zu handeln.

Altes Prinzip neu gedacht: die Kompaktpyrolyse

Der Grundprozess der Biofabrik White Refinery nennt sich Pyrolyse (abgeleitet vom altgriechischen pyr für Feuer und lýsis für (Auf-)Lösung) und ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Dabei wird Biomasse bei hohen Temperaturen und unter Sauerstoffentzug verbrannt.

So erzeugt man zum Beispiel Holzkohle oder den früher als Pech bekannten Teer und schon vor 10.000 Jahren stellte man so den ersten Kunststoff der Menschheit her. Auch Ötzi, die in den Ötztaler Alpen gefundene Gletschermumie aus der Jungsteinzeit, hatte seine Pfeilspitzen schon mit Pech verklebt.

Man kann Pyrolyse allerdings auch benutzen, um Plastik zu “depolymerisieren” – sie also zurück in ihre Polymere zu zerlegen. Abhängig von Dauer, Temperatur und Druck kann man die Ergebnisqualität steuern, die von Teer über Wachs bis hin zu Diesel und Flugbenzin reicht – ganz ähnlich wie bei einer klassischen Erdölraffinerie.

Das Konzept der Biofabrik White Refinery

Einige Pyrolyseanlagen im großindustriellen Maßstab werden bereits seit ein paar Jahren von Konzernen zur Aufbereitung von Abfall eingesetzt. Zudem gibt es eine Zahl kleinerer innovativer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die an Anlagen in Containergröße arbeiten.

Jedoch kosten diese Anlagen entweder mehrere Millionen Euro, verarbeiten nur hochreine Stoffströme, sind äußerst störanfällig oder werden bei Besichtigungen gerade “gewartet”. Und so beschlossen wir, das Problem selbst anzugehen.

Wir begannen den Entwicklungsprozess mit der Frage, wie eine Anlage beschaffen sein müsste, die das weltweite Plastikproblem umfassend und nachhaltig lösen könnte und entwarfen folgendes Leitbild:

  1. Die Raffinerie ist preiswert, damit sie von Städten, Dörfern und Kommunen weltweit eingesetzt werden kann – dezentral, dort wo der Müll anfällt.
  2. Die Anlage ist so einfach zu bedienen wie eine Waschmaschine und hochautomatisiert.
  3. Im Gegensatz zu industriellen Großanlagen sind keine Vorkenntnisse oder umfangreiches Personal notwendig.
  4. Sie bietet Systemlösungen. Alle notwendigen Schritte von der Müllsortierung bis zum Energieerzeugung und der Abrechnung mit den Stromabnehmern sind modular erhältlich oder bereits mit der Serienanlage abgedeckt.
  5. Sie erfüllt die höchsten Umweltstandards. Saubere Abgase, sicherer Betrieb und saubere Sortierung des Rohstoffes sind Standard.
  6. Zu guter Letzt stellt die Biofabrik White Refinery ein vollständiges Geschäftskonzept dar. Logistik, Verkauf und Abrechnung sind fertig integriert.

Vom Prototyp zur Serienanlage

Innerhalb der nächsten zwei Jahre bauten wir einen ersten Prototyp unserer Kompaktpyrolyse in der Größe eines Seecontainers. Unter dem Arbeitsnamen “WASTX” produzierten wir nach zahllosen Fehlschlägen tatsächlich den gewünschten Kraftstoff. Wir hatten das Prinzip erkannt, aber unsere Zielsetzungen noch nicht erreicht.

Wir mussten also noch einmal an das Reißbrett. Mit einem völlig neuen, kontinuierlich laufenden Reaktorsystem und noch einmal deutlich kleineren Anlagengröße – bei gleichem Durchsatz – arbeiten wir nun mit Hochdruck an unserer ersten zugelassenen Serienanlage.

Für diese Mission konnten wir einen der größten Verpackungshersteller Europas als Kooperationspartner gewinnen – aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

Begleite uns auf dem Weg und werde ein Teil der Geschichte

Die Vision der White Refinery geht über die reine Umwandlung von Plastikmüll in Energie hinaus. Die Anlage soll Energie in Ländern bringen, in denen Strom noch Luxus ist und die gleichzeitig im Müll ersticken. Sie soll ein Pfandsystem für Plastikmüll anstoßen, das dazu führt, dass kein Müll mehr auf der Straße landet und einen wirtschaftlichen Anreiz gibt, den Plastikmüll aus den Weltmeeren holen.

Wenn wir lernen, Plastikabfall als Rohstoff zu betrachten, werden Deponien verschwinden und völlig neue Wirtschaftszweig entstehen. Auf unserer Webseite, in den sozialen Medien und mit unserem Newsletter wollen wir euch über diese Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Ihr werdet an unseren Höhen und an unseren Tiefen teilhaben und sehen, wie wir die Serienanlage in Betrieb nehmen.

Ihr werdet die Möglichkeit haben, euer Feedback einzubringen oder an Crowdfunding-Kampagnen teilzunehmen. Denn dass sich diese Vision Wirklichkeit wird, kann nicht das Werk einzelner sein, sondern nur das Werk Tausender engagierter Menschen gemeinsam. Also vernetzt euch mit uns und abonniert unseren Newsletter. Wir freuen uns, auf euch.